Einführung zu „The Ringbearer´s Diary“ (Das Tagebuch des Ringträgers)

oder – was (wer) ist Der Ring?

von Peter Kjærulff

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Stelle dir nur für einen kurzen Moment vor, daß Gott einen Plan hat: Jahrhunderte hindurch hat er eine spezielle Gruppe von Leuten auserwählt, um in Gebieten zu forschen, die außer Reichweite der offiziellen Wissenschaft liegen – Bereiche, wie das Verstehen der tieferen Schichten der menschlichen Sinne, der Existenz Gottes, der Unterschied zwischen Gut und Böse, usw.

Gott weiß selbstverständlich, daß die traditionelle Wissenschaft mit einem Problem kämpft, dessen Spuren durch die Jahrhunderte zurück verfolgt werden können: alle Forschungsergebnisse sollten für wissenschaftliche Beweisführungen gemäß bereits bestehenden Kriterien zugänglich sein. Folglich würden weite Gebiete des menschlichen emotionellen Ausdrucksfeldes außer Reichweite sein. So wie es für jeden augenscheinlich ist: einige Welten der menschlichen Gedanken, Gefühle, Verhaltensmuster, Emotionen – sind evasiv, wenn es zur Beweisführung und statistischen Fakten kommt.

Wie auch immer kann der Künstler jeglicher Linie folgen, die ihm/ihr seine/ihre Intuition zu folgen rät: der Opernkomponist kann zwischen Myriaden von Textbüchern auswählen und jenes finden, welches in einem gegebenen Moment seinem Herzen am nächsten liegt. Der Maler, der Schriftsteller, usw. kann das gleiche bei der Wahl eines Motives, eines Themas, usw. tun.

So haben Jahrhunderte hindurch große Künstler (in ihrer Kunst) Großes über die Konditionen des menschlichen Lebens gesagt. Man könnte ein Buch über Moral, Ethik und menschliches Benehmen in romantischen Opern schreiben – und viel über die Menschheit aus den Charakterrollen der in den Opern von z. B. Verdi, Puccini, Wagner und R. Strauss schließen.

Man könnte ein Buch über volkstümliches, alltägliches, emotionelles Verhalten gegenüber Gott durch das Studium von Kirchenmusik aus den letzten fünf Jahrhunderten schreiben. Und da die Musik ein Niveau an emotionellem Ausdruck hat, die du in theologischen oder philosophischen Forschungen nicht finden wirst, wirst du – durch die Musik – fähig sein, an einem Sonntag im Jahre 1725 (zum Beispiel) in die Kirche zu treten, während gerade eine Cantate von Bach vorgetragen wird (oder an einem anderen Tag in einem anderen Jahr – inspiriert an einer Messe von Schütz, Schubert, Mozart, Beethoven oder Bruckner).

Oder – man könnte ein Buch über einen speziellen Mechanismus schreiben – einen Ring –, welcher von einigen Künstlern, nämlich Platon, Wagner und Tolkien, beschrieben worden ist – und sehen, wie große Künstler fähig sind zu kooperieren, obwohl sie sogar in verschiedenen Jahrhunderten leben – um eine Struktur der Zerstörung (!) darzustellen, die imstande ist, das menschliche Bewußtsein so vollständig zu bedecken, daß du unsichtbar wirst. Sie frißt dich auf!

Ich habe solch ein Buch geschrieben. Es ist die Geschichte der Schaffung des Ringes, der destruktiven Kraft Des Ringes über 14.000 Jahre hindurch und die Bloßlegung, die Zerstörung des Ringes. Der Titel des Buches „THE RINGBEARER`S DIARY“ zeigt an, daß jemand (wie Frodo in Tolkiens „Der Herr der Ringe“) die Aufgabe gemeistert hat, diesen Ring zu tragen (neutralisieren) – von den Tagen seiner Kreation an, bis zum Tage seines Todes.

Da die Haupteigenschaft des Ringes die Verdeckung des menschlichen Bewußtseins ist – hat das Buch vor allem drei Aufgaben:

1.      In Details das menschliche Bewußtsein zu beschreiben.

2.      In Details zu beschreiben, wie dieses menschliche Bewußtsein verdeckt wird.

3.      Die Geschichte und die Entwicklung Des Ringes von seiner „Geburt“ an bis zu seiner Zerstörung zu verfolgen – indem es eine Analyse der zwei Hauptwerke darüber beinhaltet: Wagners „Ring des Nibelungen“ und Tolkiens „Herr der Ringe“.

Es ist nicht schwierig sich vorzustellen, daß Punkt 1 und Punkt 2 zusammen ein Schlachtfeld formen, wo manchmal 1, manchmal 2 der Stärkere ist. Dieser Kampf ist (durch die intuitive Vision des Künstlers gesehen) ein Kampf zwischen Gut und Böse – ein für Forschungen in Universitätslaboratorien ungeeignetes Thema. Und doch ist es ein Thema von allergrößter Bedeutung für die Menschheit, so kann Gott Pläne haben und die Wissenschaft weiß nichts darüber: wie die wahre Enthüllung darüber, was das Leben bedeutet – ausgedrückt und beschrieben durch zum Beispiel – Kunst.

Diese Idee beinhaltet und gibt sehr viel Hoffnung. Vielleicht ist es möglich, das Leben und die Welt zu verstehen. Du brauchst nur zu wissen, wo du die Antwort suchen sollst.

Das dritte Thema von THE RINGBEARER’S DIARY beinhaltet auch eine Beschreibung der Forschungsmethode. Diese Methode ist nicht traditionell – sie ist „eigenartig“, aber sie muß hier kurz erwähnt werden. (Um nähere Informationen, siehe „A Letter to Eleven Nobel Prize Winners“ auf Nobel Letters.

vor ca. 36 Jahren begann eine Geschichte, sich in meinem Kopf anzuhäufen – eine Geschichte, die ich nur als Erinnerungen an vergangene Leben sehen konnte, eine Geschichte, die so viele Stücke an kultureller Information und so viel Logik enthielt, daß ein Besitzer einer Second-hand-Buchhandlung darauf sagte (nach der Lektüre des Buches): „Entweder hast du 30.000 Bücher gelesen, oder du hast recht“.

Wagner selbst erwähnt die Wiedergeburt in seiner Skizze für die unkomponiert gebliebene Oper „Die Sieger“ und in der Gestalt des Kundry in „Parsifal“, aber meine persönliche Aufgabe war noch groß, denn das, was ich erfuhr, war keine „symbolisch logische“ Folge von Ereignissen, wie wir sie, sagen wir, in einem Science-fiction Roman finden würden. Das, was ich erfuhr, hatte den Charakter einer einfachen Erinnerung an Kohärenzen zwischen einigen der außergewöhnlichsten, großen Künstler unserer Kultur, wie Homer, Platon, Leonardo da Vinci, Shakespeare, Mozart und Wagner. Die Geschichte entfaltete sich von selbst, indem sie zeigte, daß diese Personen Ausdrucksformen von ein und derselben Persönlichkeit in verschiedenen Inkarnationen waren. Wagner selbst kam dem sehr nahe, indem er sagte, daß er in seiner Kunst die Welt von Platon, Shakespeare und Beethoven verkörpert. Er wurde deswegen als Prahler angesehen. Aber was, wenn er wirklich recht hatte – ausgenommen von Beethoven, wo man Mozart lesen soll?

Ich war mir natürlich der „Gefahren“ bewußt, die bei jeglicher Art von Annäherungsversuchen an eine Forschung damit verbundenen waren: Gelächter, Mißtrauen, religiöse Proteste, usw. 

Aber die Geschichte insistierte weiterhin darauf, daß dies der Weg war, wie sie erzählt werden wollte. Und so erzählte ich sie. Hier ist sie – für jeden lesbar. Und sie ergibt einen Sinn.

Ich schreibe diesen Artikel für Leser, die an Wagner interessiert sind. Oder – das ist der praktische Grund –Wagnerbegeisterte baten mich, über The Ringbearer´s Diary zu schreiben. Aber das Thema der Geschichte würde auch für Tolkienleser, Philosophen, Psychologen, Geistliche – und all jenen von Interesse sein, die in parapsychologische Bereiche forschen.

Der „Held“ ist - noch immer  – der Ring – und Wagner, Tolkien, Philosophie, Psychologie, Religion, usw. treten ins Bild auf Grund des Ringes. Er verschleiert alles, er hat Behauptungen zu machen, er hat etwas über jeden Aspekt des menschlichen Lebens zu sagen. Und da ich in meinem Buch alle Details des Ringes umfasse, umfaßt das Buch auch viele Aspekte des menschlichen Lebens.

Durch meine 36 Jahre langen Forschungen, um dieses Buch zu vervollständigen, habe ich die Traum- und Mythensprache studiert. Und wenn du so weit kommst, daß du fähig bist, diese Sprache – die als normale Sprache wie Dänisch benützt werden kann – zu verstehen, dann wird es klar, wie klug und peinlich genau solch ein Künstler wie Wagner war. Es gibt keine Zufälle. Jede kleine Randbemerkung im Text, jede Farbe im Orchester, jede Beschreibung der Inszenierungsdetails wie Szenographie und Bewegungen ist dort zu einem Zweck. In diesen Tagen (2003) scheinen alle Opernbegeisterte darin übereinzustimmen, daß Wagners Musik wunderbar ist. Aber noch immer sehr wenige Direktoren, Dirigente, usw. nehmen es als selbstverständlich, daß Wagner wußte, was er tat – auch bei der Beschreibung der Aufführung, die er auf der Bühne sehen wollte.

Wenn Werke wie „Der Ring des Nibelungen“ gemäß Wagners Absichten aufgeführt werden (Wasser ist Wasser, ein Schwert ist ein Schwert, ein Baum ist ein Baum) – öffnet sich eine neue Welt. (Das ist nicht der Fall, wenn Wasser ein Parkplatz ist, ein Schwert eine Kanone und ein Baum ein Bulldozer ist.)

Die Welt ist die magische Welt des inneren menschlichen Wesens - die Welt unseres Bewußtseins und Unterbewußtseins kämpft für Das Licht gegen Die Finsternis – und in Wagners Terminologie hat jedes menschliche Wesen ein göttliches Selbst (eine „göttliche Schicht“) sowie auch verschiedene „Alltagsschichten“ im  Bewußtsein.

Der Ring attackiert alle – von Kopf bis Fuß, vom göttlichen Selbst zum Alltagsbenehmen – von der Schicht der Götter zur weltlichen Schicht des Bewußtseins. Wenn du Wagner und Tolkien kombinierst, weitet sich die natürliche Perspektive. Könnte es derselbe Ring sein? Welche Parallelen finden wir – obwohl Tolkien selbst erklärte, es gäbe keine Ähnlichkeiten, außer der Tatsache, daß beide Ringe rund sind?

Sehen wir mal:

 1.Tolkiens Werk besteht aus einem „Vorspiel“ (Der kleine Hobbit) und aus drei Hauptbüchern (Die Gefährten, Die zwei Türme und Die Wiederkehr des Königs).

Wagners Werk besteht aus einem „Vorspiel“ (Das Rheingold) und drei Hauptopern (Die Walküre, Siegfried und Götterdämmerung).

In beiden Werken:

 2. Der Schöpfer Des Ringes möchte ihn für böse Machenschaften benützen, um etwas Gutes für sich selbst zu tun (das ist auch der Fall mit Gyges` Ring, von dem Platon im „Staat“ erzählt). Folglich: sowohl der Schöpfer, als auch Der Ring sind Vertreter Der Finsternis.

 3. Beide Schöpfer (Alberich in Wagners Werk und Sauron in Tolkiens Roman) verlieren den Ring kurz nach seiner Kreation.

 4. Der Ring kann nur neutralisiert werden, indem er zum Ort seiner Herkunft zurückgebracht wird (Wagner: Wasser, Tolkien: Feuer)

 5. Der Ring selbst scheint, die ihn tragende Person zu dominieren – und wünscht, immer höher und höher hinaufzuklettern, um dort zu sein, wo sich die mächtigste Person befindet.

 6. Auf diese Weise wünscht er teilweise seine eigene Zerstörung (ohne es zu bemerken), da er so schlecht ist, daß er sogar die Person verschlingen will, die ihn geschaffen hat. Wie eine Mistel auf einem großen Baum, dessen Plan die Vernichtung des Baumes ist, um der oberste Herrscher zu werden. Oder die Geschichte der Fisherfrau, die Gott sein möchte und dann wieder im „Pißputt“ endet.

 7. Tolkien: wenn du Den Ring trägst, wirst du unsichtbar.

Wagner: mit dem Ring ist ein „Tarnhelm“ verbunden, der dich unsichtbar machen oder dein Erscheinen verändern kann.

 8. Tolkien: in „Der kleine Hobbit“ haben Bilbo und Gollum einen Ratewettbewerb, worauf sie ihr Leben setzen.

Wagner: in „Siegfried“ haben Wotan und Mime einen ähnlichen Wettkampf, wo sie ihr Leben aufs Spiel setzen.

 9. Tolkien: Smaug, der Drache liegt auf einem Haufen von Gold und Juwelen.

Wagner: Fafner, der Drache liegt auf einem Haufen von Gold und Juwelen.

10. Beide Werke handeln von Gut und Böse auf breiter Skala. Nicht einfach eine Fehde zwischen sympathischen und unsympathischen Leuten.

11. In keinem der beiden Werke wird der eine und einzige Gott erwähnt – aber er existiert klarerweise – bei den Göttern von Wagner finden wir die Ethik der ewigen Gesetze – und das Gleiche kann über Tolkien´s Werk gesagt werden.

12. Die Zerstörung des Ringes markiert das Ende einer alten Weltordnung und den Beginn einer neuen.

Gut – einige dieser Parallelen können von geringer Bedeutung sein. Aber auch wenn du einige davon wegläßt, (die Drachen, die Tatsache, daß die Werke in vier Teile gegliedert sind), und sagst, das sei entweder ein Zufall oder etwas, was man in tausend anderen Geschichten finden kann – bleiben einige essentielle Parallelen. Und die Geschichte, die ich imstande war, aufzubauen (der Ablauf von Ereignissen durch 14.000 Jahre hindurch, die Lebensspanne des Ringes) hat alle diese Parallelen zusammengesetzt und dieses erstaunliche Resultat erhalten: Wagner und Tolkien erzählen von wirklichen, historischen Personen und von wirklichen, historischen Ereignissen.

Keiner von beiden hätte dies natürlich geglaubt oder sogar in Betracht gezogen, als sie ihre Werke verfaßten. Tolkien unterstrich sogar ziemlich stark seine Abneigung zu jedweglichen Allegorien zu seinem Buch.

Aber wie würde Tolkien die Parallelen erklären? Ein Psychologe würde behaupten, daß beide Künstler sie aus ihrem „kollektiven Unbewußtsein“ gezogen hätten.

Gut – versuche, das zu definieren.

THE RINGBEARER`S DIARY erzählt somit eine Geschichte von Ereignissen, die vor ungefähr 14.000 Jahren in Atlantis (vgl. Tolkien´s „Numenor“ in „Das Silmarillion“) begannen. Es wird berichtet, wie der Ring geschmiedet worden ist, wir folgen den Personen, die in sein Muster gezogen wurden (die „Ringträgergruppe“) – und in Bezugnahme auf Wagner´s Ring und Tolkien´s großem Roman können diese uralten Ereignisse – tausende Jahre später - in Kunstwerken beschrieben gesehen werden. Der Zusammenhang zwischen wirklichen Begebenheiten und Kunstwerken, nimmt deshalb die Perspektive oder das Vergnügen nicht weg, diese Werke zu lesen oder anzuhören. Ganz im Gegenteil: die Werke werden noch erstaunlicher, als sie bereits sind. Im Fall von Wagner, erklärt die uralte Geschichte sehr viel über die Handlung, die Personen und die Symbolik in „Der Ring des Nibelungen“, und es wird sogar noch deutlicher, daß ein Baum ein Baum sein soll (usw.). Denn in der Sprache der Mythen und Träume sind diese Details wichtig. Höre nur ´mal diesen zwei „Versionen“ eines gleichen „Traumes“ zu:

  1. „Ich schwamm unter Wasser und konnte trotzdem atmen. Einige Seejungfern baten mich, ihr verlorenes Gold zu suchen.“
  1. „Ich wanderte in unterirdischen Kanälen einer großen Stadt umher. Drei Prostituierte baten mich um Hilfe bei der Suche einer gestohlenen Handtasche voll Geld.“

Die erste Version handelt von einem Mann, der seine eigene Emotionsschicht betritt, wo er fähig ist zu atmen (er ist von seinen Gefühlen nicht überwältigt). Einige Aspekte von genuiner, natürlicher Erotik (die Meeresnixen) bitten ihn, die schönen Werte von genuinem erotischem Kontakt wiederzufinden.

Abgesehen vom Licht- und Farbton, öffnet diese Interpretation zur gesamten Geschichte der darin verwickelten Person: ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart, ihre Zukunft.

Version 2 ist „nur eine Geschichte“ wenn sie aufgeführt wird – tragisch und in häßlichen Farben. Wie ein uninteressanter zweitklassiger Kinofilm. Wenn er als Traum interpretiert wird, ist der Traum sehr fern von genuinen Werten. Und Prostituierten helfen, eine gestohlene Handtasche zu finden, verspricht kein harmonisches Leben für die Zukunft.

An diesem Punkt möchte ich etwas sagen, dessen Klärung für mich von großer Wichtigkeit ist. Wenn ich auch ungewiß bin, ob es für mich möglich sein wird, in nur wenigen Worten mitzuteilen, wie wichtig das ist. Und Leser, die nicht viel über Opern wissen – oder nicht wirklich an Opern interessiert sind, können diesen Absatz gänzlich überspringen. Aber bitte, tu es nicht – versuche, mir mit Vertrauen zuzuhören, wenn ich es zu erklären versuche:

Wenn die Musik komponiert ist, um Beispiel eins zu entsprechen – dann schändet man die Musik, die Botschaft, den Komponisten, die Kunst und somit die mögliche Verbindung zu Gott-hinter-allem, wenn die Aufführung parallel zu Beispiel zwei ist.

Ein Beispiel: Vor nicht allzu langer Zeit sah ich in Kopenhagen eine Aufführung von Wagners „Tristan und Isolde“. In dieser Oper von Wagner befindet sich Liebe auf dem gleichen Niveau wie Shakespeares „Romeo und Julia“. Diese beiden Werke sind vielleicht die profundesten, vollkommensten und tiefempfundensten Beschreibungen von Liebe in unserer gesamten Kultur. Wagner wollte ein Monument zu Ehren der Liebe errichten, und der Text, das Stück und die Musik beschreiben eine Form von Liebe, die unsterblich ist – zwischen zwei Menschen, die sich gegenseitig so sehr lieben, daß sie sich selbst als eine Person betrachten. Sie fühlen, als ob sie nie wirklich voneinander entfernt wären, und sie werden sich nie trennen – sagen der Text, die Musik und die Inszenierungskommentare. Nicht einmal der Tod kann sie trennen.

In der Version, die ich in Kopenhagen sah, war jede Spur von Kommunikation und Liebe verschwunden. Niemand war imstande, die andere Person zu erreichen, sie „kommunizierten“ nur mit ihrer eigenen „Illusion eingebildeter Liebe“. Die Inszenierung hatte den Charakter eines Alptraums, und Tristan und Isolde berührten sich kein einziges Mal, sahen sich nie vertrauensvoll in die Augen, fühlten und drückten schon gar nicht ihre Liebe zueinander aus – nur wegen „der falschen Illusion von Liebe“.

In dieser Version führt die Inszenierung Krieg gegen den Text, die Musik, die Ideen des Komponisten, seine Schriften, Briefe, Bühnenkommentare, usw. usw. Das Resultat ist, daß die Fähigkeit der Kunst, uns über versteckte Wahrheiten betreffend Liebe, Tod, Gott und Ewigkeit zu erzählen -  total verloren gegangen ist. Das Einzige was uns geblieben ist, ist irgendeine Idee eines Regisseurs, daß er interessanter als Wagner sei – und daß die Idee des Regisseurs, daß Liebe eine Illusion ist, interessanter als Wagners Behauptung sei: Liebe existiert in der Tat – aber die Konditionen auf der Erde machen es extrem schwierig, sie zu ehren, wie sie geehrt werden sollte.

Mein Rat ist: durch die Jahrhunderte hat der Ring soviel Chaos in der Hierarchie der menschlichen Werte geschaffen, daß es scheint, als ob diese Art von Inszenierung der des Komponisten vorgezogen wird.

Der Ring – warum der Ring??? könnte jemand fragen. Was hat der Ring mit solchen Sachen, wie Filmszenographie und Opernaufführung zu tun?

Die Antwort ist: Der Ring ist nicht zumindest an Filmen oder Opern interessiert. Sein Hauptinteresse besteht darin, jeden von uns einsam und depressiv zu machen, und deshalb zielt er darauf ab, jede Form von menschlicher Kommunikation, die suggeriert, daß wir nicht allein sind, zu zerstören. Ein Regisseur wie derjenige, der hinter der erwähnten Inszenierung von „Tristan und Isolde“ steht, ist sich nicht der Tatsache bewußt, daß die Oper von Dem Ring aufgeführt worden ist. Wahrscheinlich wird er nur ärgerlich werden, wenn ihm irgendjemand erzählt, daß er nicht in Wagners Idee hineinpfuschen soll.

Der Ring ist der Bösewicht. Alberich und Sauron sind im Vergleich dazu zweitrangige Schurken. Der Ring wird sie genauso fressen – wenn es ihnen gelingt, ihn zurückzubekommen.

ALSO WAS (WER) IST DER RING?

Wagners „Ring des Nibelungen“ gibt die genauere Beschreibung über die Kreation des Ringes – in dieser simplen Behauptung: um die Formel zu finden, die einen befähigt, den Ring zu schmieden, muß man auf Liebe verzichten. Alberich verflucht dann die Liebe und kreiert den Ring. Für ihn ist „der Liebesverzicht“ eine unbedeutende Sache. Er kann sich immer noch Sex erzwingen, wie er sagt – und hat dabei bereits vergessen, daß das Problem Liebe war und nicht Sex. So kann er die darauffolgenden Auswirkungen der Schaffung des Ringes nicht voraussehen.

An jedem Ort, wo man Liebe finden kann, wird der Ring sicher attackieren:

  1. Die Kommunikation zwischen Leuten (da Kommunikation zu Freundschaft führt und Freundschaft ist bereits eine Form von Liebe).
  2. Die Kommunikation zwischen den Geschlechtern (das ist selbstverständlich)
  3. Die Kommunikation zwischen Familienmitgliedern (da die Kommunikation zwischen auch nur bereits zwei Personen in einer Familie – zu Freundschaft oder zu einer Idee über eine mögliche, tiefe Harmonie zwischen männlich und weiblich führen kann).
  4. Die Verbindung zwischen Gott und Menschheit (wenn diese Kommunikation nicht verletzt wird, wird es immer klarer werden, daß uns Gott liebt, und daß die Probleme auf der Erde uns selbst zuzuschreiben sind. Wenn der Ring unsere Verbindung mit Gott attackiert, dann erscheint Gott wie ein unliebsamer Verwandter (siehe 3) – jemand, der oft ärgerlich oder trübsinnig ist oder jemand, der die Idee hegt, daß eine große Anzahl an Leuten in der Hölle enden sollte).
  5. Wenn der Ring entscheidet, daß Liebe außer Frage steht, flüstert er uns eine Alternative ein: warum nicht Zerstörung auf konstruktive Art verwenden? Auf diese Weise ist es „den Guten“ erlaubt, Krieg gegen „die Bösen“ zu führen – und macht somit Krieg ein nützliches Werkzeug für jene, „die gut sind“.
  6. Das Ergebnis ist die Errichtung einer Gesellschaft, in der die meiste Energie für den Aufbau und den Erhalt von Waffen benützt wird.
  7. Der Ring suggeriert, daß wir uns wie „die Guten“ benehmen sollen – um gerettet zu sein – um „Einsamkeit zu neutralisieren“. Folglich: wir bauen eine Maske auf, ein Verhalten – anders als unser wahres Selbst – wir sind unsichtbar geworden.

Die Haupt-Anti-Liebe-Idee des Ringes ist die erwähnte: Destruktion kann auf konstruktive Weise benützt werden. Man kann sogar rücksichtsvoll und „liebend“ sein, wenn man diese Verhaltensweise annimmt: „Es ist zum Guten des Landes, daß wir es bombardieren.“ (Anstatt denselben Geldbetrag , der für die Rüstung erforderlich ist, dafür zu benützen, ein Verstehen oder eine wahre Kommunikation zu erreichen.)

Dieses „Liebeskonzept“ des Ringes kommt zustande, wenn du ihn schmiedest – es ist sein Leisten, seine Formel, sein Wesen. Die tatsächliche Zerstörung der Liebe ist Teil seines Schaffungsprozesses. Und er reicht in den Himmel, er nimmt seine Energie aus einer simplen Behauptung:

„Über der Todesschwelle existiert ewige Liebe.“

Diese Idee ist einer der Grundsteine aller Religionen und Kulturen. Wenn alles andere fehl schlagt, kann man „auf der anderen Seite der Todesschwelle“ Hoffnung und Trost in der Idee der ewigen Welten finden, die immerwährende Werte, wie Liebe, Sorge, Gerechtigkeit und Harmonie enthalten.

Aber wenn man die Liebe verflucht, kann der obige Ausspruch verdreht werden:

Über der Todesschwelle finden wir ewige Liebe.

  1. Drehung: Um ewige Liebe zu finden, muß man die Todesschwelle überschreiten .
  2. Drehung: Durch das Tor des Todes erreichst du ewige Liebe.
  3. Drehung: Tod führt direkt zu ewiger Liebe.
  4. Drehung: Der Tod ist ein Muß, wenn du ewige Liebe willst.

Enddrehung: Ewige Liebe führt zum/verlangt den Tod 

Der ursprüngliche Ausspruch ist sein eigener Widerspruch geworden – der Ring ist geboren. Auf Grund dieser Originalsentenz, die noch immer in dem Ring (obgleich in einer verzerrten Weise) eingeschlossen ist, wird er mit großer Autorität eine direkte Verbindung zu Gott verlangen. Seine Selbstsicherheit ist aus „göttlichen Proportionen“ – in einer Weise bekriegt er sich selbst. Und er hat mächtige Verbündete: die Idee, daß Zerstörung in einer konstruktiven Art verwendet werden kann, ist von der Kirche sanktioniert worden, die gewählt hat, den Tod Jesus´ als den Rettungsweg anzusehen – anstatt das Leben von Jesus als den Weg zur Rettung – und sein Tod ist eine Tragödie – eine peinliche Realität,  mit der sich die Menschheit konfrontieren muß.

„Wenn du dich selbst finden willst, mußt du deine Maske zerstören“ ist verdreht worden in: „Um dich selbst zu finden, mußt du dich selbst verlieren“.

In „Der Ring des Nibelungen“ beschreibt Wagner, wie sogar die höchsten Schichten des menschlichen Bewußtseins von der Vergiftung angegriffen sind: am Beginn von „Das Rheingold“ macht der Gott Wotan einen Fehler: er verspricht den Riesen Fasolt und Fafner die Göttin der Liebe, Freia, als Bezahlung für den Bau von Walhall. Tatsache ist, daß es nie Wotans Absicht war, Freia in den Handel miteinzubeziehen; er wollte nur Zeit gewinnen, um in der Zwischenzeit ein anderes Zahlungsmittel zu finden. Dieses kommt nun zu ihm – in Form des Ringes – und die Riesen bekommen ihn (unter anderen Dingen) anstatt von Freia. So ist nun der Ring losgelassen.

Wotan bemerkt seinen schrecklichen Fehler – bis zum Ende von „Der Ring des Nibelungen“ ist er die einzige Person, die mit Sicherheit weiß, daß man Zerstörung nicht auf konstruktive Art benutzen kann.

Durch die Beschreibung jener, die unglücklicherweise troztdem so handeln – kommentiert Wagner die Weltordnung, wie wir sie von unserem täglichen Leben auf der Erdkugel kennen:

Siegmund droht, seine Geliebte und ihr ungeborenes Kind zu töten, wenn er sie nicht die ganze Zeit bei sich haben kann. Er benützt den Tod als Mittel, um Liebe zu erhalten – und ist aus der Geschichte raus. 

Brünnhilde, Wotans Tochter, hilft Siegmund auf Grund dieser Drohung – und verliert deshalb ihre Göttlichkeit. Sie wird „blind“ – der Ring schließt sie in der Form einer Flammenmauer ein.

Als Ergebnis ihrer „Akzeptierung“ von Siegmunds Art, den Tod zu gebrauchen, um etwas zu erhalten, ordnet Brünnhilde am Ende sogar den Tod ihres Geliebten Siegfried an – und bestätigt somit den Mechanismus des Ringes: Liebe führt zum Tod.

Siegfried mißbraucht sein Schwert zweimal – er benutzt Zerstörung, um „Harmonie“ wiederzugewinnen. Somit verurteilt er sich selbst zum Tod.

Und all das, all diese Miserie, ist das Werk des Ringes – nicht die Taten von Alberich oder Wotan.

Zum Schluß, nachdem Brünnhilde mit dem Tod Siegfrieds konfrontiert wurde – versteht sie. Und sie schreitet durch die Flammen – hinaus aus einer alten Weltordnung und hinein in eine Neue. Die alte Welt stürzt zusammen, und auch Wotan geht „durch das Feuer“: er brennt freiwillig seine frühere Welt nieder.

In THE RINGBEARER`S DIARY war es möglich in allen Einzelheiten zu beschreiben, wie die Gedankenmuster des Ringes unsere Gesellschaft und uns selbst beeinflussen – unsere Weltordnung. Als Kontrast dazu zeigen die wundervollen, positiven Finalen von Wagners Ring und Tolkiens „Herr der Ringe“, daß einige Künstler das Ende der gegenwärtigen „Ring-dominierenden“ Weltordnung, wo es noch immer „OK“ ist, Zerstörung als ein konstruktives Werkzeug zu benützen, gesehen haben.

Der Ring würde sagen: „Der Mensch wird sich nie ändern, es wird immer Krieg geben.“ Aber der Künstler sieht das anders – sehr auf die Art, wie das wundervolle Doppelzitat:  

„Gott ist tot.“ (Nietzsche)

„Nietzsche ist tot.“ (Gott)

Oder: der Tag ist nicht fern, da die ganze Menschheit verstehen wird, daß Krieg (usw.) nie zu etwas Gutem geführt hat und nie zu etwas Gutem führen wird.

Wenn dieser Tag kommt, werden viele „Tempel“, viele Investierungsideen ihren Halt verlieren und für viele Leute wird der „Kollaps einer uralten und genährten Denkweise“ wie die „Götterdämmerung“ vorkommen (vielleicht ohne die Athmosphäre des besänftigenden „Erlösungsthemas“ welches das Werk schließt): seine Maske zu verlieren, um wieder sichtbar zu werden – tut weh! Alle Investierungen (wirtschaftliche, emotionelle, usw.), die du auf den Altar der alten Weltordnung plaziert hast, werden vergeblich gewesen sein. Eine Verschwendung. Und die Realisierung davon ist sehr schmerzhaft. Sie „verbrennt dich“.

Wenn du die Visionen von Tolkien zu denen von Wagner dazugibst, weitet sich die Perspektive und wird beinahe atemberaubend. Erlaube mir kurz zu erwähnen, daß der eine Ring in Wagner´s Werk ein Ringsystem in Tolkiens Roman wird:

   Drei Elbenringe, sieben Zwergenringe, neun Ringe den Sterblichen – ein Ring sie zu knechten.

Durch eine genaue Studie kann man sehen, daß dieses Ringsystem der Mathematik entspricht, der Frequenzen des menschlichen Bewußtseins. Ich würde einen ganzen Artikel benötigen, um auch nur in Kürze erklären zu können, daß das menschliche Bewußtsein – wenn man es mit „Klarsicht“ sieht - aus sieben Haupt„prozessen“ besteht, die „Chakras“ (Sanskrit) genannt werden. Diese Prozesse haben die folgenden Frequenzen: 4, 6, 10, 12, 16, 96, 960 + 12.

Die Ring-kombination von 1, 3, 7, und 9 Ringen kann durch einfache Addition (Verwandtschaft zwischen destruktiven Gedankenmustern) die ersten fünf Chakras bedecken. Die bleibenden zwei sind genauso verdeckt, da sie sich durch die Kombinationen der ersten fünf Bewußtseinschichten (Chakras) ergeben.

Wie erwähnt, beschreibt THE RINGBEARER`S DIARY das menschliche Bewußtsein (welches nebenbei gesagt, mithilfe der Traumsprache ins Korridorsystem der Cheopspyramide modelliert gesehen werden kann).

Das Buch beschreibt auch die Fähigkeiten des Ringes, dieses Bewußtsein zu bedecken.

Um den Ring zu sehen und bloßzulegen, muß er enträtselt und letztendlich zerstört werden.

So ist er nun zerstört worden. Was wir von seinen Auswirkungen noch immer sehen und fühlen können, ist wie der Rauch und die Glut nach einem kürzlich gelöschten Feuer.

Eine neue Weltordnung dämmert: lausche sehr sorgfältig der Luft – die globale Denkweise ändert sich gerade: Krieg ist nicht mehr ehrbar oder nützlich. Einige Politiker denken noch immer so – aber höre noch einmal sehr gut zu: sie sind eine Minderheit, und ihre Anzahl ist im Sinken.

Peter Kjærulff

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